Bomb Bomb Buster
Bomb Bomb Buster
Autor: Packobilly
Jahr: 2022
Genre: Plattformer
Rechner: Sinclair ZX Spectrum 128 K
Download
Manchmal braucht ein Spiel keine Geschichte. Keine Prinzessin in Not, kein episches Abenteuer, kein langatmiges Intro. Manchmal reicht es vollkommen, wenn der Entwickler sagt: „Es gibt nur Dynamit.“ Genau das ist das Konzept hinter Bomb Bomb Buster, einem Plattformer von Packobilly aus dem Jahr 2022 – und es funktioniert überraschend gut.
Kein Skript. Nur Dynamit.
Die Prämisse ist denkbar einfach: Schnapp dir die Bombe und jag sie dem Endgegner namens „The Big Fat“ entgegen. 25 Level, jede Menge Feinde, ein fieser Boss – fertig. Packobilly macht keinerlei Hehl daraus, dass Bomb Bomb Buster kein Storytelling-Wunder sein will. Stattdessen konzentriert sich das Spiel auf das, was Spectrum-Klassiker der frühen 80er so gut konnten: ein knallhartes, auf den Punkt gebrachtes Spielprinzip, das unter die Haut geht.

Denken, dann handeln – dann rennen
Was das Spiel von einem simplen Jump-and-Run unterscheidet, ist seine clevere Zweiteilung. Jedes Level läuft in zwei klar voneinander getrennten Phasen ab.
In der ersten Phase sucht ihr die grüne Dynamitbombe, die irgendwo im Level versteckt ist. Ihr seid vollkommen unbewaffnet und müsst allen Feinden ausweichen. Das Besondere: Es gibt kein Zeitlimit. Ihr könnt – und solltet – euch in aller Ruhe die Bewegungsmuster der Gegner anschauen, euren Weg zur Bombe planen und dabei auch schon den schnellsten Weg zum Boss im Kopf durchgehen. Genau hier steckt die eigentliche Tiefe des Spiels: Wer impulsiv die Bombe schnappt, ohne vorher nachgedacht zu haben, wird schnell bestraft.
Ein schönes Detail: Unser Protagonist hat eine ausgeprägte Haartolle – und die ist tatsächlich Spielmechanik. Berührt nur die Tolle einen Gegner, passiert gar nichts. Erst der Körper des Charakters kostet ein Leben. Das klingt nach einer Kleinigkeit, kann in engen Situationen aber durchaus den Unterschied machen.
Dann beginnt Phase zwei. In dem Moment, in dem ihr die Bombe aufhebt, startet ein Countdown von neun Sekunden. Neun. Das klingt kurz, weil es kurz ist. Ab jetzt seid ihr zwar bewaffnet und könnt Feinde sowie schließlich den Boss abschießen – aber die Uhr tickt gnadenlos. Der Schusswinkel ist dabei eine der größten Herausforderungen dieser Phase: Wer nicht trifft, verliert wertvolle Sekunden. Wer den Boss nicht rechtzeitig erreicht, verliert ein Leben.
Das Wichtigste: Bevor ihr die Bombe anfasst, sollten alle Elemente des Levels so günstig wie möglich positioniert sein. Plattformen an der richtigen Stelle, freie Wege, keine Feinde im Weg – denn sobald der Countdown läuft, bleibt keine Zeit mehr für Improvisation.
Fünf Welten, ein Ziel
Die 25 Level sind in Fünfer-Blöcke unterteilt, jeder Block mit einem eigenen optischen Thema. Von kargen Höhlenlandschaften bis hin zu futuristischeren Umgebungen wechselt die Kulisse regelmäßig. Wer die Levels aufmerksam betrachtet, wird vielleicht den ein oder anderen stilistischen Anklang an Arbeiten anderer bekannter Spectrum-Homebrew-Entwickler aus der hispanischen Szene erkennen. Das ist keineswegs Kritik, sondern eher ein Zeichen für den engen, gegenseitigen Austausch innerhalb dieser Community, bei dem alle gewinnen: Entwickler und Spieler gleichermaßen. Packobilly selbst betont, dass seine grafischen Techniken vollständig selbst entwickelt sind und seine Wurzeln schlicht im langen Aufwachsen mit dem Spectrum liegen.

Lernkurve und Suchtfaktor
Was das Spiel wirklich auszeichnet, ist seine faire Lernkurve. Mit jeder Partie verinnerlicht man die Bewegungsmuster der Feinde mehr, erkennt Abkürzungen, versteht, welche Gegner eliminierbar sind und welche nicht. Manche Level verlangen auch das gezielte Verschieben von Plattformen, um höher gelegene Bereiche zu erreichen – auch das gehört zur Vorbereitung vor dem Bombe-Aufheben. Man wächst in das Spiel hinein, und das macht diesen knallharten Schwierigkeitsgrad am Ende akzeptabel – ja, sogar befriedigend.
Wer Packobillys frühere Arbeiten kennt, etwa MagicAble: A Kind of Magic von 2020, wird bei Bomb Bomb Buster eine deutliche Weiterentwicklung feststellen – sowohl in der Qualität als auch in der Komplexität des Spieldesigns.
Technisch sauber umgesetzt
Packobilly hat Code und Grafik komplett in Eigenregie entwickelt und dabei auf bewährte Spectrum-Entwicklungstools gesetzt: AGD 4.7×4 Plus (das Arcade Game Designer-Framework von Jonathan Cauldwell), MPMUSICIZER 2.1 für die Musik sowie ZXPaintbrush und Blockeditor für die Grafik. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – Grafik und Sound sind für ein Homebrew-Spiel auf dem Spectrum richtig ordentlich, und die Musik trägt gut zur Atmosphäre bei.
Getestet wurde das Spiel von einer ganzen Riege bekannter Gesichter der hispanischen Spectrum-Community: Hicks, Indelain, McRaymond, Mabus, Roolandoo und El Spectrumero haben das Spiel vor Release ausgiebig unter die Lupe genommen. Das zeigt auch, wie lebendig und vernetzt die spanischsprachige Homebrew-Szene nach wie vor ist.
Das Spiel läuft auf dem 128K-Spectrum und unterstützt Kempston- und Sinclair-Joystick. Wer mit Tastatur spielt: O links, P rechts, Q Sprung, Leertaste schießen. Die Tasten sind nicht umdefinierbar. Nachträglich wurde außerdem eine EASY-Version hinzugefügt – wobei Packobilly selbst zugibt, dass auch diese nicht wirklich einfach ist.
Fazit
Bomb Bomb Buster ist ein sauberer, durchdachter Plattformer, der sein Konzept konsequent durchzieht. Das Zweiphasen-System aus ruhigem Planen und hektischer Ausführung ist originell und macht immer wieder Spaß – auch wenn man zum zehnten Mal am selben Level scheitert. Packobilly hat mit diesem Spiel bewiesen, dass er als Entwickler deutlich gereift ist, und die hispanische Spectrum-Szene hat mit Bomb Bomb Buster ein weiteres Aushängeschild bekommen. Sehr empfehlenswert.

