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ZX Touch [Sinclair/Emulator]

Letzte Aktualisierung am 4. April 2025 von Jungsi

ZX Touch
ZX Touch

Es gibt Ankündigungen, die ins Leere führen, und es gibt Überraschungen aus dem Nichts – wie der ZX Touch. Als Sinclair-Fan der alten Schule kaufe ich neue Hardware oft ohne großes Nachdenken. In diesem Fall war ich jedoch etwas zögerlich, da das Gerät bereits seit Dezember 2023 auf dem Markt ist. Letztlich überzeugten mich die positiven Kritiken sowie die aktuellen Zugaben (Stand 11/2024): ein Acryl-Display-Ständer und eine Tragetasche.

Der Handheld wird von Elmar Electronics produziert, die bereits den ZX-VGA-JOY (einen VGA-Adapter für den Sinclair ZX Spectrum) entwickelt haben. Den Vertrieb übernimmt erneut Sintech in Deutschland.

Bereits 2018 gab es den Versuch, eine Handheld-Konsole (Vega+) mit Sinclair-Spielen auf den Markt zu bringen. Über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo wurden dafür mehr als 500.000 Pfund von 4.700 Unterstützern eingesammelt. Da jedoch viele Versprechungen nicht eingehalten wurden und kein fertiges Produkt erschien, wurde die Kampagne schließlich abgebrochen, und die Unterstützer wurden – soweit möglich – entschädigt.+

Beim ZX Touch sieht das jedoch ganz anders aus: Es wurde nichts angekündigt, um keinen Druck zu erzeugen, und kein Geld vorab kassiert. Das Gerät wurde vollständig vorfinanziert, ist physisch verfügbar und kostet 238 €.

Das Gerät ist mit einem ARM Cortex-MZ 480 MHz Prozessor ausgestattet und verfügt über einen 7-Zoll-IPS-Touchscreen mit einer Auflösung von 1024 × 600 Pixeln. Zum Lieferumfang gehören ein Adapter von USB-C auf USB-A sowie ein USB-C-Kabel.

Beim Auspacken des ZX Touch fällt sofort die Größe auf, die in etwa der einer Nintendo Switch entspricht. Der große Touchscreen (7-Zoll-IPS, 1024 × 600 Pixel) ist in ein dunkelgraues Gehäuse eingefasst. Links und rechts neben dem Display befinden sich jeweils acht Tasten sowie auf der linken Seite ein analoger Joystick.

Der Einschaltknopf ist an der oberen rechten Seite des Geräts positioniert. An der Unterseite befinden sich der USB-C-Anschluss, ein MicroSD-Slot und ein 3,5-mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer oder Lautsprecher.

Die Ober- und Unterseite des Gehäuses sind durch eine Acrylschicht verbunden, die integrierte LEDs enthält. Diese leuchten während der Nutzung des Geräts und sorgen für einen besonderen visuellen Effekt.

  • ZX Touch
  • ZX Touch - Anschlüsse
  • ZX Touch - Buttons
  • ZX Touch - Joystick
  • ZX Touch - Unterseite
  • ZX Touch - Verpackung Oberseite
  • ZX Touch - Verpackung Unterseite
  • Game Start
  • Dashboard
  • Game Browser

Erfahrungen (Firmware 1.11)
Nach dem Einschalten dauert es kaum eine Sekunde, bis das Standard-Dashboard startet. Die Navigation erfolgt über den Joystick, während Spiele per Touchscreen ohne Wartezeit gestartet werden. Wie genau Spiele zum Dashboard hinzugefügt werden können, erkläre ich später.

Ich würde es begrüßen, wenn die komplette Navigation – inklusive des Spielstarts – per Joystick und Knopfdruck möglich wäre. So müsste ich nicht jedes Mal zum Start eines Spiels den Touchscreen berühren.

Mein Gerät wurde mit Firmware-Version 1.10 ausgeliefert, doch es gab bereits ein umfangreiches Update auf Version 1.11. Da ab Version 1.10 Updates sowohl per SD-Karte als auch über das Internet installiert werden können, habe ich die Online-Aktualisierung ausprobiert. Der Vorgang verlief absolut problemlos: WLAN-Verbindung herstellen, das Update herunterladen, installieren und nach einem Neustart war alles abgeschlossen.

  • Firmware Update Tool
  • Firmware Update
  • ZX Touch - Firmware Update Abschluss

Der ZX Touch wird aktuell mit 40 Spielen ausgeliefert, von denen viele in den letzten Jahren als Homebrews erschienen sind. Eigene Spiele können problemlos hinzugefügt und von der SD-Karte geladen werden. Diese muss lediglich im FAT32-Format vorliegen.

Da das Gerät über keine offizielle Lizenz verfügt, ist ein alternatives ROM integriert, um Spiele zu starten. Falls es dabei zu Kompatibilitätsproblemen kommen sollte, lassen sich die Original-ROMs ergänzen. Diese müssen einfach in den Ordner ROMs auf der SD-Karte kopiert werden – idealerweise für den 48K- und 128K-Spectrum, damit auch größere Spiele laufen. Andere Rechner werden derzeit nicht emuliert.

Damit sind wir bei den unterstützten Dateiformaten: TAP, SNA, Z80 und TRD – für mich völlig ausreichend. Diese können direkt auf der SD-Karte abgelegt werden, wobei eine Ordnerstruktur natürlich unterstützt wird.

Das Laden von Spielen von der SD-Karte ist ebenso einfach wie der Rest der Bedienung. Im Dashboard ermöglicht das erste Symbol – das bei Bedarf auch ausgeblendet werden kann – den Zugriff auf den externen Datenträger. Die Navigation erfolgt über den Joystick, während die Auswahl durch Tippen auf den Bildschirm bestätigt wird.

Der Bildschirm ist links und rechts von Symbolen eingerahmt, die verschiedene Funktionen bieten. Hier eine kurze Übersicht:

  • Einstellungen – Anpassung von Display, Sound, Tastenbelegung, seitlich angezeigten Tasten, Joystick, LEDs sowie diverse weitere Optionen; außerdem Speichern und Laden von Spielständen
  • Sound – Lautsprecher ein- oder ausschalten
  • Bildschirmtastatur – Virtuelle Tastatur einblenden
  • BASIC-Modus – Umschalten in den klassischen BASIC-Modus
  • Reset – Gerät zurücksetzen
  • Pause – Aktuelles Spiel oder Anwendung pausieren

Zusätzlich gibt es auf beiden Seiten im unteren Bereich Tasten, die frei belegt werden können.

  • Display Settings
  • Joystick Settings
  • Miscellaneous settings
  • Physical Key Mappings
  • Side keyboards mapping
  • Side Lights
  • Sound Settings

Dashboard

Falls der Wunsch besteht, eigene Dashboards zu erstellen, ist das problemlos möglich. Ein längeres Tippen auf den Bildschirm öffnet ein Menü mit verschiedenen Funktionen:

  • Spiel hinzufügen – dazu später mehr
  • Neues Dashboard erstellen
  • Namen des aktuellen Dashboards ändern
  • Dashboard löschen – nur möglich, wenn es leer ist (am besten direkt auf der SD-Karte durchführen)
  • Dashboard nach links oder rechts verschieben – das erste selbst erstellte Dashboard kann nur nach rechts verschoben werden
  • Erstes Symbol verbergen
Dashboard Menü
Dashboard Menü

Spiele zur Library hinzufügen

Nachdem ein eigenes Dashboard erstellt wurde, kann das erste Spiel hinzugefügt werden. Dazu startet die Games Library über die Option Add Game – allerdings ist diese zunächst leer! Spiele müssen zuerst zur Library hinzugefügt werden, bevor sie darin erscheinen.

Die Navigation durch die SD-Karte ermöglicht es, ein Spiel auszuwählen. Ein kurzes Gedrückthalten des Spiels öffnet ein Menü mit mehreren Optionen: kopieren, ausschneiden, umbenennen, löschen – und die wichtigste Funktion: Add to Library.

Diese Option bietet zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten für jedes Spiel:

  • Darstellung im Dashboard:
    Es kann entweder ein automatisch erstellter Screenshot oder eine Bilddatei (144 × 208 Pixel) verwendet werden. Die Bilddatei muss entsprechend benannt sein:
    T_Dateiname Spiel.jpg
  • Speicher- und ROM-Einstellungen:
    Es kann zwischen 48K- und 128K-Modus gewählt werden, sodass das passende ROM genutzt wird.
  • Integration in eine .ZTG-Datei:
    Falls das Spiel im .TAP-Format vorliegt, kann es in eine aus den Einstellungen generierte .ZTG-Datei integriert werden.
  • Infobildschirm vor Spielstart:
    Beim Start eines Spiels erscheint ein kurzer Infobildschirm, bevor das eigentliche Spiel geladen wird. Dieser kann durch eine Bilddatei (796 × 600 Pixel) ersetzt werden:
    I_Dateiname Spiel.jpg
  • Info-Text zum Spiel:
    Eine zusätzliche .TXT-Datei kann als Beschreibung oder Anleitung eingebunden werden:
    I_Dateiname Spiel.txt
  • Eigener Hintergrund für das Spiel:
    Für Spiele ohne eigenen Hintergrund (z. B. Jet Pac) kann ein individueller Hintergrund verwendet werden:
    Bxx_Dateiname Spiel.jpg (796 × 600 Pixel, teilbar durch vier)
  • Cheat-Funktion mit .POK-Dateien:
    Durch .POK-Dateien lassen sich Cheats wie unendliche Leben oder Munition aktivieren:
    Dateiname Spiel.pok
Edit ZTG File
Edit ZTG File

Abschluss der Konfiguration

Nach der Konfiguration wird mit FINISH der Vorgang abgeschlossen und die ZTG-Datei erstellt. Eigentlich sollte das Spiel nun automatisch zur Library hinzugefügt werden – aktuell funktioniert dies jedoch nicht. Deshalb muss die erstellte .ZTG-Datei manuell zur Library hinzugefügt werden, bevor das Spiel dem gewünschten Dashboard hinzugefügt werden kann.

Der Inhalt der Library lässt sich am einfachsten am PC bearbeiten. Auf der SD-Karte befindet sich der Ordner:
ZX_SYSTEM/LIBRARY
Darin abgelegte Spiele können einfach gelöscht werden.

Zusätzlich gibt es den Ordner:
ZX_SYSTEM/DASHBOARDS
Ob ein gesamtes Dashboard durch das Löschen dieses Ordners verschwindet, habe ich nicht getestet. Da nur leere Dashboards gelöscht werden können, wäre es ratsam, zuvor alle Spiele direkt auf dem Gerät zu entfernen.

Hier ist die überarbeitete Version mit klarerer Struktur und besseren Formulierungen:

Individuelle Spieleinstellungen

Für jedes Spiel können zusätzliche individuelle Einstellungen vorgenommen werden. Folgende Bereiche stehen zur Verfügung:

  • Display: Anpassung von Bildschirmgröße, Helligkeit, ULAplus, Interlace, Scanlines, seitlichen Bildschirmtasten, Tastatur für Adventures, Farbpalette, Hintergrundbildern für Spiele sowie das Ausblenden der seitlichen Leisten.
  • Lautstärke: Regulierung der Lautstärke.
  • Tastenbelegung: Individuelle Konfiguration der acht Haupttasten.
  • Seitliche Bildschirmtasten: Beispiel: Für Bomb Jack wird die Taste „P“ benötigt, um den Kempston-Joystick zu aktivieren – daher kann eine der seitlichen Tasten auf „P“ umgestellt werden.
  • Analogstick-Einstellungen: Anpassung der Joystick-Funktion.
  • LEDs: Konfiguration der Beleuchtungseffekte.
  • Sonstiges: Aktivierung von ROMs, Autoload-Funktion für .TAP– und .TRD-Dateien.
  • Automatische Einstellungen: Speichert und lädt für jedes Spiel automatisch die passenden Konfigurationen.
  • Cheat-Funktion: Automatisches Laden von .POK-Dateien für Cheats.
  • Speichern und Laden: Möglichkeit, unterschiedliche Spieleinstellungen zu speichern und später wieder zu laden.

Das bedeutet, dass jedes Spiel mit individuellen Einstellungen gespeichert und jederzeit automatisch wiederhergestellt werden kann.

Hintergrundbilder (Backgrounds)

Ältere Spiele bieten oft nur einen schwarzen Bildschirmhintergrund. Um die Darstellung optisch aufzuwerten, lassen sich eigene Hintergrundbilder hinzufügen. Diese sollten wie folgt benannt sein:
Bxx_Dateiname Spiel.jpg (796 × 600 Pixel, teilbar durch vier).

Falls mehrere Hintergründe für ein Spiel existieren (B00, B01 usw.), kann zwischen ihnen umgeschaltet werden. Dafür muss in den Display-Einstellungen die Option zur Anzeige aktiviert und eine der acht Tasten mit FN belegt werden. Während des Spiels kann dann mit FN + Links/Rechts zwischen den verschiedenen Hintergrundbildern gewechselt werden.

JetPac mit Background

Speicherfunktion (Save & Load)

Während des Spiels stehen drei Speicherplätze zur Verfügung. Ein Tipp auf das Tastatursymbol blendet links die Speicheroptionen MS1 – MS3 und rechts die Ladeoptionen MR1 – MR3 ein:

  • MS (Memory Save) – Speichert den aktuellen Spielfortschritt.
  • MR (Memory Restore) – Lädt einen zuvor gespeicherten Spielstand.

Diese Speicherstände bleiben auch nach einem Neustart des Geräts erhalten und können jederzeit wieder geladen werden.

Adventure Keyboard und Speicherslots
Adventure Keyboard und Speicherslots

Spiel zurückspulen (Game Rewind)

In den Spieleinstellungen kann die Game Rewind-Funktion aktiviert werden. Damit lässt sich das Spiel bis zu 62 Sekunden zurückspulen.

Durch Drücken der Pause-Taste während des Spiels kann anschließend mit dem Joystick – ähnlich wie bei einem alten Videorekorder – vor- oder zurückgespult werden. Sobald die gewünschte Stelle erreicht ist, kann das Spiel dort fortgesetzt werden.

Info-Text zu Spielen hinzufügen

Zu jedem Spiel kann eine Info-Datei mit zusätzlichen Informationen, beispielsweise einer kurzen Historie aus Wikipedia, ergänzt werden.

Falls ein solcher Text vorhanden ist, erscheint beim Start des Spiels aus dem Dashboard – neben den Buttons Cancel und Start – ein zusätzlicher Button Story.

Format der Info-Datei

Die Datei muss im .TXT-Format vorliegen und folgendermaßen strukturiert sein:

Beispiel für eine Datei:

Jet Pac – Ein Klassiker aus den 80ern  

Jet Pac ist ein Arcade-Action-Spiel von Ultimate Play The Game aus dem Jahr 1983. Der Spieler steuert einen Astronauten, der ein Raumschiff zusammensetzen und auftanken muss, während er feindlichen Aliens ausweicht.  

Die Datei muss entsprechend dem Spiel benannt werden:
I_Dateiname Spiel.txt

Änderungen an den Info-Dateien

Falls eine Info-Datei nachträglich geändert wird, muss im Editor sichergestellt werden, dass der Schalter von „ZTG“ auf „EXT“ umgestellt wird, damit die Änderung übernommen wird.

Diese Regel gilt auch für alle anderen ergänzenden Dateien, wie:

  • Settings-Dateien
  • Info-Bilder (I_Dateiname Spiel.jpg)
  • Hintergrundbilder (Bxx_Dateiname Spiel.jpg)
  • POK-Dateien für Cheats

Fazit

Der ZX Touch ist kein günstiges Gerät und könnte auf den ersten Blick abschreckend wirken. Doch wer es einmal in den Händen hält, erkennt schnell, welch großartige Hardware hier entwickelt wurde. Man merkt sofort, dass ein echter Sinclair-Fan am Werk war und sich viele Gedanken gemacht hat.

Zwar erfordert die Nutzung der Dashboards etwas Einarbeitung, doch die Community leistet wertvolle Unterstützung. Besonders in der Facebook-Gruppe stehen bereits zahlreiche Dateien zur Verfügung, die den Einstieg erleichtern.

Für mich zählt der ZX Touch zu den besten Investitionen im Sinclair-Bereich seit langer Zeit.

Links

ZX Touch | Facebook
ZX Touch Homepage
Sintech Shop

Ideen für Verbesserungen

– Navigation per Tasten
– aktuelle funktioniert es nicht das ein neues Spiel nach Abschluss der Einstellungen automatisch zu Library hinzugefügt wird.
– Seitenweises blättern in der Library
– Übersicht über die Library am ZX Tocuh
– TXT-Dateien können kein ö,Ä, verwenden
– Filter im Dateibrowser – wie funktioniert der



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